Tätigkeitsbericht 2023

Bericht des Verwaltungsratspräsidenten und des Direktors

compenswiss schloss das Jahr 2023 mit einem positiven Anlageergebnis von 4.98 % ab. Nach einem Ergebnis von −12.85 % im Vorjahr stellt dies eine erfreuliche Wende dar.

In einem Umfeld, das zunehmend von geopolitischen Spannungen und Konfrontationen geprägt ist, waren die Finanzmärkte von einer Vielzahl von Faktoren betroffen, wie etwa die militärische Sicherheit und die Herausforderungen in den Bereichen Nahrungsmittel, Energie und IT. Das allgemeine Interesse richtete sich auch auf die Künstliche Intelligenz (KI), die vielversprechende Anwendungspotenziale in so unterschiedlichen Bereichen wie Bildung oder medizinische Bildgebung birgt.

Unter dem anhaltenden Druck der Inflation waren die Zentralbanken vieler Länder in einer Gratwanderung gezwungen, die Zinssätze auf einem Niveau zu halten, das für ein starkes Wirtschaftswachstum zu hoch war. Zudem stellt die hohe Gesamtverschuldung einiger Staaten im Verhältnis zum BIP einen beunruhigenden Risikofaktor dar.

Zwischen Rezession und Resilienz haben sich die Investoren auf weiterhin volatile Kapitalmärkte ausgerichtet.

Vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Lage sowie der behördlich unterstützten Übernahme der Credit Suisse durch die UBS ist das Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1.3 % positiv zu werten. Trotz der Herausforderungen, die sich zusätzlich aus der Aufwertung des Schweizer Frankens ergaben, zeigte sie sich widerstandsfähig, verzeichnete jedoch einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr (2.5 % im Jahr 2022).

4.98 %

POSITIVES ANLAGEERGEBNIS

Nettorenditen der einzelnen Sozialversicherungen

Im Berichtsjahr waren die verschiedenen Anlageklassen starken Schwankungen unterworfen. Anleihen, Aktien und Immobilienfonds gerieten im dritten Quartal 2023 erneut unter starken Marktdruck. Zudem erlauben die hohen Liquiditätsanforderungen von compenswiss nur einen beschränkten Anteil an langfristigen Anlagen wie direkte Immobilieninvestitionen.

Trotz dieses schwierigen Umfelds liegen die Nettorenditen der verschiedenen Sozialversicherungen bei 4.81 % für die AHV, bei 4.76 % für die IV und bei 4.90 % für die EO.

Die Schulden der IV gegenüber der AHV bleiben unverändert bei CHF 10.28 Milliarden.

Das von der compenswiss verwaltete Gesamtvermögen stieg per 31. Dezember 2023 auf CHF 40.62 Milliarden (Vorjahr: CHF 37.28 Milliarden). Dieser Anstieg beinhaltet das Anlageergebnis von 4.98 % und das positive Umlageergebnis von CHF 1.45 Milliarden. Rund die Hälfte dieses Vermögens wird intern verwaltet. Im Jahr 2023 waren die Rentenzahlungen wie immer jederzeit gesichert.

40.62 Milliarden

VON DER COMPENSWISS VERWALTETES GESAMTVERMÖGEN

«AHV 21» und Rentenentwicklung

Zur mittelfristigen Sicherung der AHV hat das Stimmvolk im September 2022 die Reform «AHV 21» angenommen, welche den AHV-Fonds in den nächsten Jahren entlasten wird. Zwei Volksinitiativen, «Für ein besseres Leben im Alter (Initiative für eine 13. AHV-Rente)» und «Für eine sichere und nachhaltige Altersvorsorge (Renteninitiative)», werden im März 2024 zur Abstimmung kommen. Die Ergebnisse dieser beiden Volksabstimmungen werden sich auf die zukünftige Finanzierung des AHV-Fonds auswirken.

Verantwortungsvoll investieren

compenswiss ist überzeugt, dass die Berücksichtigung des Faktors Nachhaltigkeit für die Erzielung einer marktgerechten und risikobewussten Rendite wichtig ist. Ihre Strategie beruht auf vier Hauptachsen: Ausübung der Stimmrechte, Aktionärsdialog, Ausschlüsse und ESG-Integration. Als unabhängige öffentlich-rechtliche Anstalt des Bundes hat sie den gesetzlichen Auftrag, jederzeit über ausreichende Liquidität zu verfügen und ihre Vermögenswerte so anzulegen, dass das bestmögliche Verhältnis zwischen Sicherheit und Erzielung eines marktkonformen Ertrags gewährleistet ist. Diese gesetzlichen Ziele definieren den Auftrag der compenswiss.

«compenswiss ist überzeugt, dass die Berücksichtigung des Faktors Nachhaltigkeit für die Erzielung einer marktgerechten und risikobewussten Rendite wichtig ist.»

Im Rahmen der Weiterentwicklung einer verantwortungsvollen Anlagestrategie schlug die Geschäftsleitung dem Verwaltungsrat weitere Wege zur Dekarbonisierung des Portfolios vor. Im Mai akzeptierte dieser den Ausschluss von Unternehmen, deren Umsatz aus Kohle über einem Schwellenwert von 15 Prozent liegt und die keinen ausreichend ambitionierten Ansatz zur Dekarbonisierung verfolgen (Low Carbon Transition Score). Gleichzeitig stimmte er auch einer aktualisierten Liste von Unternehmen zu, die normativen Ausschlussfaktoren unterliegen.

Die vom Bundesrat 2022 eingeführten Swiss Climate Scores (SCS) haben mit ihren sechs Indikatoren das Ziel, mehr Transparenz über die Klimaauswirkungen von Finanzanlagen zu schaffen und damit Anlageentscheidungen zu fördern, die zur Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens beitragen. Diese Indikatoren sind bereits Teil der Nachhaltigkeitsmessungen von compenswiss und werden daher eine einfache Berechnung der SCS des Marktportfolios ermöglichen.

compenswiss ist Mitunterzeichnerin der Energiespar-Alliance des Bundes mit über 180 Partnern aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und der öffentlichen Hand. Die Mitglieder bekennen sich zur Kampagne und engagieren sich mit eigenen Massnahmen.

Aktivitäten des Verwaltungsrats und seiner Ausschüsse

Der Verwaltungsrat beschäftigte sich im Berichtsjahr insbesondere mit der Ausschreibung «Depotbank und Fondsleitung» sowie mit der Auswahl von infrage kommenden Finanzinstituten. Weitere Schwerpunkte waren die Anpassung von Reglementen (Anlageausschuss, Prüfungs- und Personalausschuss, Geschäftsleitungsreglement), die jährliche Vermögensallokation sowie die Festlegung des Zinssatzes, der für die Schulden der IV bei der AHV gelten soll. Im Rahmen der Einführung der neuen Rechnungslegungsstandards der ersten Säule (IPSAS) werden ab dem 1. Januar 2025 die Zinsaufwendungen und -erträge im Zusammenhang mit der IV-Schuld integraler Bestandteil des Anlageergebnisses der beiden Versicherungen AHV und IV sein.

«Der Verwaltungsrat beschäftigte sich im Berichtsjahr insbesondere mit der Ausschreibung der Depotbank und Fondsleitung.»

Wie jedes Jahr setzte sich der Anlageausschuss neben der Analyse der Marktentwicklung auch mit der jährlichen Vermögensallokation auseinander und legte deren detaillierte Allokation für 2024 fest. 

Der Prüfungs- und Personalausschuss befasste sich auftragsgemäss mit Themen, die mit der externen und internen Revision verbunden sind, mit regulatorischen Aspekten und mit Fragen des Personalwesens. 

Photo: Patric Pop

Verwaltungsrat
Von links nach rechts: Hans-Ulrich Bigler, Urs Eggenberger, Gabriela Lenherr, Bruno Parnisari, Sandra Gisin, Cristina Maderni, Ruth Meier, Manuel Leuthold, Roland A. Müller, Philippe Augsburger, Gabriela Medici, Adrian Wüthrich, Michaela Troyanov

Operationelles und Ressourcen 

Um Effizienz und Resilienz weiter zu steigern, verfolgt die Geschäftsleitung eine Strategie mit vier Schwerpunkten: Die Sicherstellung einer wettbewerbsfähigen Vermögensverwaltung, die Anpassung der Organisation der Anstalt an ein sich ständig veränderndes Umfeld, die Steuerung einer Multi-Channel-Kommunikationsstrategie und die Weiterentwicklung der Personalpolitik im Einklang mit den Werten der compenswiss. Dank konsequentem Einsatz wurden im vergangenen Geschäftsjahr Fortschritte in allen Bereichen erzielt. Aufgrund des revidierten Datenschutzgesetzes wurde die neu vorgeschriebene Funktion der Datenschutzbeauftragten in der Geschäftsstelle besetzt.

«Eine Strategie mit vier Schwerpunkten, um die Effizienz und die Resilienz weiter zu steigern.»

Für die Mitarbeitenden wurden während des ganzen Jahres interaktive Schulungsmodule zum Thema Informationssicherheit sowie Sensibilisierungskampagnen und Weiterbildungen zur Betrugsbekämpfung und zum Datenschutz durchgeführt. In vier Working Lunches zu Fragen rund um die Diversität konnten die Werte der compenswiss gelebt und die Zusammenarbeit gestärkt werden.

Der Anteil der Betriebskosten am Vermögen bleibt mit 0.11 % gering (2022: 0.12 %). Unter Berücksichtigung der im Anlageergebnis enthaltenen Kosten (Stempelsteuer, Verwaltungskosten externer Fonds, Performance Fee) beträgt dieses Verhältnis 0.19 % für das Jahr 2023 (2022: 0.20 %). Das Jahresbudget wurde eingehalten.

Ende 2023 zählt compenswiss 63 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, was 59 Vollzeitäquivalenten entspricht (2022: 61 Personen bzw. 57 Vollzeitäquivalente). 

0.11%

ANTEIL DER BETRIEBSKOSTEN AM VERMÖGEN

Mutationen und Dank

compenswiss dankt Frau Sandra Gisin für den grossartigen Einsatz während ihrer zwölfjährigen Amtszeit, davon zehn Jahre als Vizepräsidentin des Verwaltungsrats und Vorsitzende des Prüfungs- und Personalausschusses. Sie wird am 31. Dezember 2023 aus dem Verwaltungsrat ausscheiden. Wir möchten auch Frau Gabriela Lenherr für ihren wertvollen Beitrag danken. Auch sie erreicht am 31. Dezember 2023 nach zwölf Jahren aktiver Tätigkeit im Verwaltungsrat die maximale Amtsdauer.

Wir danken dem Verwaltungsrat und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den unermüdlichen Einsatz und ihr Engagement im vergangenen Geschäftsjahr. 

Photo: Patric Pop

Geschäftsleitung
Von links nach rechts: Frank Juliano, Gaëlle Barlet, Eric Breval, Marc Pfenninger, Francesca Azzi Price, Vivien Ravel


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