Das Jahr 2022 war geprägt von einer Verkettung von Ereignissen, die sich stark auf die Finanzmärkte auswirkten. Die Wiedereröffnung der Weltwirtschaft nach dem Covid führte zu einer starken Erholung der Nachfrage, die wiederum zu einer Rückkehr der Inflation führte. Diese wurde durch globale Versorgungsengpässe, insbesondere bei Produkten aus China, verschärft.
Der Ausbruch des Konflikts in der Ukraine führte zu einer schweren Energiekrise, insbesondere aufgrund der Position Russlands als zweitgrösster Rohölproduzent der Welt und Hauptexporteur nach Europa. Die Energie- und Rohstoffpreise stiegen auf Rekordhöhen und verstärkten den Inflationsdruck.
Die Massnahmen der Regierungen und Zentralbanken liessen nicht lange auf sich warten. Während sich erstere um eine ausreichende Versorgung mit Ressourcen (Kapital, Nahrungsmittel, Energie) kümmerten, versuchten letztere, die Inflation durch die Beeinflussung der Zinssätze zu senken.
Die meisten Zentralbanken in den Industrieländern haben die Zinssätze stetig und deutlich erhöht und gleichzeitig signalisiert, dass sie die Zinssätze noch für längere Zeit auf einem höheren Niveau halten wollen. Man muss mehr als 40 Jahre zurückgehen, um einen derart raschen Zinsanstieg zu finden. So stieg der Leitzins der US-Notenbank in weniger als 10 Monaten von 0.25 % auf 4.5 %. Die Schweiz hat ihr seit 2015 andauerndes Negativzinsregime verlassen. Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank (SNB) stieg von –0.75 % zu Jahresbeginn auf +1 % im Dezember.
Die erwarteten Auswirkungen dieser Zinserhöhungen sind noch nicht vollständig eingetreten, da die geldpolitische Straffung und die Realwirtschaft zeitlich auseinanderfallen. In den USA ist die Inflation nach wie vor hoch, auch wenn es erste Anzeichen für eine Beruhigung zu geben scheint. In Europa ist das Bild uneinheitlicher. Die Inflation ist wegen des starken Einflusses der Energiepreise hartnäckiger. Die Zinserhöhungen haben zu einer Verlangsamung der Wirtschaft geführt, deren Ausmass noch ungewiss ist.
Vor diesem Hintergrund wurden die Finanzmärkte im Laufe des Jahres in Mitleidenschaft gezogen. Nach Jahrzehnten steigender Renditen in den meisten Anlageklassen ist die Welt nun mit einer deutlichen Verlangsamung der Märkte konfrontiert.
Der Anleihenmarkt erlebte in diesem Jahr einen dramatischen Einbruch, der auf die rasche Anhebung der Leitzinsen durch die Zentralbanken zurückzuführen ist. Der Index für US-Staatsanleihen fiel um 12.46 % und verzeichnete damit den stärksten Rückgang seit 40 Jahren. Auch die Renditen von Kreditstrategien litten unter den steigenden Zinsen und der Ausweitung der Kreditspreads.
Auch aufgrund der hohen Zinsen verzeichneten die wichtigsten Aktienmärkte im Jahresverlauf negative Renditen von über 10 %. Die zaghafte Erholung der Aktienindizes im letzten Quartal reichte nicht aus, um die im Jahresverlauf erlittenen Verluste auszugleichen. Besonders betroffen waren Wachstumswerte, vor allem Technologieunternehmen, die unter steigenden Realzinsen litten.
Bei den Immobilien war der Rückgang moderater, was auf die Besonderheiten dieses Marktes zurückzuführen ist (die Neubewertung der Gebäude ist noch nicht abgeschlossen). Hervorzuheben ist auch, dass je nach Region die Anpassung der Mieten an die Inflation die Renditen hält.
Der Devisenmarkt war vor allem durch die Stärkung des USD aufgrund des Zinsgefälles zu seinen Gunsten und die Rückkehr des EUR zur Parität mit dem CHF gekennzeichnet. Hervorzuheben sind auch die Abwertung des JPY aufgrund der expansiven Geldpolitik der japanischen Zentralbank und die Abwertung des GBP, das unter dem Misstrauen der Anleger zu leiden hatte.
Als traditioneller sicherer Hafen behielt Gold seinen Wert inmitten stark fallender Märkte und bot eine stabile und zuverlässige Absicherung. Die Performance von Gold in Schweizer Franken von 0.7 % wurde jedoch durch den Anstieg der Realzinsen beeinträchtigt.
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