Das Jahr 2022 wurde bereits im Februar durch den Ausbruch des Konflikts in der Ukraine geprägt, der die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie zum Stillstand brachte. Die Schockwellen breiteten sich in der Folge weltweit aus und erschütterten nicht nur den Frieden und das Sicherheitsgefühl in Europa, sondern auch die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte. Zunehmende geopolitische Spannungen verschärften diese Probleme im Laufe des Jahres.
Steigende Energiepreise, Sanktionen, die Blockaden von Handelswegen und die Aussicht auf Engpässe bei Gas, Strom und Lebensmitteln heizten die Inflation im Jahr 2022 an. In vielen Ländern überschritt die Inflation die 10-Prozent-Marke und zwang die Zentralbanken, die Leitzinsen stärker als erwartet anzuheben. Die Folge waren sinkende Aktienkurse und Anleihenrenditen sowie eine rasche Eintrübung der Konjunkturaussichten.
«Im 2022 überschritt die Inflation die 10-Prozent-Marke in vielen Ländern.»
Auch die Schweiz konnte sich dieser Entwicklung nicht entziehen. Während sich die Teuerung im internationalen Vergleich in Grenzen hielt, wertete der Franken stark auf.
In diesem schwierigen Umfeld erzielte compenswiss ein Anlageergebnis von –12.85 % (Marktportfolio nach Absicherung, Vorjahr: 5.28 %).
ANLAGEERGEBNIS
Diese negative Performance spiegelt nicht realisierte Buchverluste wider, da die Vermögenswerte nicht verkauft wurden. Die durchschnittliche Nettorendite über die letzten zehn Jahre bleibt mit 2.4 % positiv.
DURCHSCHNITTLICHE NETTORENDITE ÜBER DIE LETZTEN 10 JAHRE
Dass das Ergebnis der compenswiss von anderen institutionellen Anlegern abweicht, hängt mit dem spezifischen Auftrag der Anstalt und den daraus resultierenden hohen Liquiditätsanforderungen zusammen. Diese lassen nur einen geringen Anteil an langfristigen Anlagen wie direkte Immobilienanlagen in der Schweiz zu, ein Segment das sich im 2022 als resilient erwiesen hatte. Die liquideren Anlagekategorien (Anleihen, Aktien, Immobilienfonds und Immobilienaktien), in die compenswiss primär investiert, standen im Jahr 2022 besonders unter Druck.
Für die einzelnen Sozialversicherungen ergibt sich eine Nettorendite von –12.38 % für die AHV, –11.24 % für die IV und –12.21 % für die EO. Das etwas weniger negative Ergebnis der IV ist auf höhere Liquiditätsreserven zurückzuführen. Die Schulden der IV gegenüber der AHV belaufen sich nach wie vor auf rund CHF 10 Milliarden. Das von der compenswiss verwaltete Gesamtvermögen beträgt per Ende 2022 CHF 37.3 Milliarden (Vorjahr: CHF 40.9 Milliarden).
VON DER COMPENSWISS VERWALTETES GESAMTVERMÖGEN
Mit der AHV-Reform 21 haben Volk und Stände im September 2022 einer schrittweisen Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre zugestimmt. Zudem erhält die AHV ab 2024 zusätzliche Mittel aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Entlastung des AHV-Fonds durch diese Massnahmen wird in den nächsten Jahren auf rund CHF 12.4 Milliarden geschätzt. Damit dürfte die Finanzierung der AHV bis 2030 gesichert sein.
«Die Entlastung des AHV-Fonds wird in den nächsten Jahren auf rund CHF 12.4 Milliarden geschätzt.»
compenswiss beurteilt Anlagen seit langem auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Die Anstalt übt bei den von ihr gehaltenen Schweizer Aktien weiterhin die Stimmrechte aus und hat die Anforderungen an die Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) laufend erhöht.
«Laufende Erhöhung der Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG).»
Dieser verantwortungsbewusste Ansatz hat in den letzten Jahren zu einer Beschleunigung der Desinvestitionen geführt, insbesondere im Kohlesektor. Die Anstalt hat Messinstrumente im Bereich der Nachhaltigkeit entwickelt, die es ihr beispielsweise ermöglichen, die Klimaverträglichkeit des Portfolios anhand der vom Bundesrat verabschiedeten «Swiss Climate Scores» zu messen.
Im 2022 befasste sich der Verwaltungsrat mit Themen wie dem Umgang mit Krisensituationen und den Auswirkungen der Inflation und setzte seine Arbeit am Risikomanagement und am Investitionsprozess fort.
Der Anlageausschuss legte neben der Analyse der Marktentwicklung seinen Hauptfokus auf die Umsetzung des neuen Investitionsprozesses. In Zusammenarbeit mit der Geschäftsleitung erarbeitete er die neue Asset Allocation und unterbreitete dem Verwaltungsrat seine Vorschläge.
Der Prüfungs- und Personalausschuss setzte sich mit Fragen der externen und internen Revision auseinander. Zudem befasste er sich mit dem Genehmigungsprozess des Geschäftsberichts, mit regulatorischen Aspekten und mit Personalfragen.
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Photo: Luxwerk
Verwaltungsrat
Von links nach rechts: Roland Müller, Daniel Lampart, Ruth Meier, Gabriela Lenherr, Manuel Leuthold, Sandra Gisin, Bruno Parnisari, Michaela Troyanov, Karl Stefan Mäder
Abwesend: Urs Eggenberger, Cristina Maderni, Henrique Schneider, Beat Schwaller
Der Personalbestand der Anstalt hat sich im Jahr 2022 leicht auf 61 Personen bzw. 57 Vollzeitäquivalente erhöht (2021: 57 bzw. 54). Der Anteil des Betriebsaufwands am Vermögen bleibt mit 0.12 % gering.
ANTEIL DES BETRIEBSAUFWANDS AM VERMÖGEN
Im Berichtsjahr wurde der Internetauftritt der Anstalt modernisiert. Ein auf der Website aufgeschaltetes Video erklärt auf animierte Weise, wer die compenswiss ist.
Das ganze Jahr über wurden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit interaktiven Schulungsmodulen für das Thema Informationssicherheit sensibilisiert.
compenswiss ist zudem der Energiespar-Alliance des Bundes beigetreten. Indem sie beispielsweise die Raumtemperatur in den Büros senkte, trug die Anstalt dazu bei, ihren Energieverbrauch zu reduzieren.
«compenswiss ist zudem der Energiespar-Alliance des Bundes beigetreten.»
Der Verwaltungsrat der compenswiss hat im Jahr 2022 sowohl Abgänge als auch Zugänge verzeichnet. Bereits Anfang Jahr hat Bénédicte Montant den Verwaltungsrat verlassen. Im Sommer folgten ihr Beat Schwaller und Karl Stefan Mäder, und Ende Jahr die Herren Daniel Lampart und Henrique Schneider. Allen ehemaligen Verwaltungsratsmitgliedern möchten wir sehr herzlich danken für ihr wertvolles Engagement und wünschen ihnen für ihre Zukunft alles Gute.
Zugleich freut es uns, mit Cristina Maderni, Philippe Augsburger und Adrian Wüthrich drei neue Mitglieder im Verwaltungsrat begrüssen zu dürfen. Wir wünschen ihnen bei der neuen Aufgabe viel Befriedigung und Erfolg.
Wir danken dem Verwaltungsrat und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren hervorragenden Einsatz im vergangenen Geschäftsjahr.
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Photo: Luxwerk
Geschäftsleitung
Von links nach rechts: Marc Pfenninger, Frank Juliano, Francesca Azzi Price, Vivien Ravel, Eric Breval, Gaëlle Barlet
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